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Reisebericht: Hoshino 26.03.2012


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Hoshino, Mo. 26.03.2012


TeeartenPorentief rein und erhitzt nach dem Morgenbad - das ist mein Tagesanfang.
Bin angekommen, nachdem gestern der erste Tee-Tag war. Mit allem, was für mich den Reiz dieser Reisen ausmacht.
Die Ruhe und Sicherheit, nach 37!!! Generation Teeanbau am gleichen Ort (siehe 1.unten), aber auch die Übereinstimmung bei den modernen Problemen, die sich für die Teebauern hier gleich darstellen wie für uns in der Schweiz, gibt eine wunderbar ruhige Stimmung, in der sich dann aber angeregt ausgetauscht wird. Und der Tee dazu: Top-Gyokuro lauwarm als Konzentrat serviert! Köstlich, auch wenn es nicht der beste Tee des Tages war, den hatten wir kurz zuvor im Teemuseum unterwegs, der in der Qualität vergleichbare Gyokuro wurde dort noch besser serviert, da direkt vor der Nase sekundengenau zubereitet. Schnapsglasgrosse Genüsse, wohl kaum noch zu überbieten.
Der erste Besuch am Morgen nach 1.5 Std. Fahrt von Fukuoka bei Hoshino-seichaen, einer mittelgrossen Firma mit modernster Fabrik, die eigene Teegärten hat aber auch viel vorverarbeiteten Tee von anderen Teebauern zum veredeln ankauft.. Dieser Veredelungsprozess wird uns anschaulich erklärt, wir Besucher nach Hygienevorschrift mit Haarschutz uniformiert und in immer! viel zu kleinen Schlappen hinterherschlurfend. Kalt ist es, Kühlschranktemperatur im Ausgangslagerraum, Tiefkühltemperatur im eigentlichen Lagerraum, der maschinell be- und entladen wird. Abfüllerei und auch Verbeutelung sehen wir, hier normale Raumtemperaturen, da sitzen auch Damen an den Maschinen zur Überwachung, Fütterung und Endverpackung.
Dann sehen wir die Reihen der sich langsam drehenden Maccha-Mühlen, grauer glänzender Granit und leuchtendgrünes Maccha-Pulver hinter hermetisch dichtenden Scheiben im klimatisierten Raum, nur via Luftschleuse zu betreten. 30g pro Stunde - und früher wurden die Mühlen von Hand betrieben.
Aber jetzt sind wir im Probenraum, ein grosser Raum zusammen mit Büro. Wir probieren gezielt Sencha für die Sélection Grand Hotel, ein langwieriger Prozess, weil wir hier viel engere Preisvorgaben haben und die Anforderungen an den Tee spezieller sind. Ziehen nach Stunden mit Mustern von dannen, schlussendlich muss die Endauswahl zu Hause mit unserem Wasser und in den spezialisierten Versuchsreihen gemacht werden.
Und natürlich ist die Zeit zu kurz. Herr Imazono, der Regierungsvertreter, drängt, andere Programmpunkte warten. Es ist ein erster Kontakt, die probierten Tees noch von 2011, da braucht es noch einiges an Feinabstimmung inkl. Laboranalysen.
Und wir treffen ja zum Nachtessen in unserem wunderbaren Ryokan wieder zusammen:
Yamaguchi-san Senior, einer seiner Söhne, Imazono-san und Ueno-san (Vermittler und Übersetzer), Sakata-san, der wohl die rechte (ausführende) Hand von Yamaguchi-san ist, sehr hilfsbereit und fachlich bestens orientiert, Takaki-san, der junge und sehr kontaktfreudige Teebauer, der auch im Februar bei uns in Bern war und Lukas und ich.
Lukas, der natürlich mit den angebotenen japanischen Speisen seine liebe Müh' und Not hat, aber nach Erklärungen und Verständnis von allen Seiten die annehmbaren Speisen zugeschoben bekommt. Ich bin heute Fischesser (alle tot). Rohe Fische (die viel weniger fischelen als befürchtet), gebratene kleine Fische ähnlich unserer Felchen, in pikante Marinade eingelegten Mini-Fischchen und Undefinierbares. Wir trinken Reisschnaps, kalten Gyokuro aus der schön etikettierten Weinflasche (eine Erfindung des Sohnes), "Brown Wine" der fast farblos ist und eher portweinartig, köstlichen Gyokuro aus dem Schnapsglas (Blätter drin) und dann noch eine Flasche "St. Laurent" trocken = Deutscher Rotwein, der, nachdem von Kühlschrank- auf Raumtemperatur erwärmt, sehr angenehm ist.
Es geht lebhaft zu, "gan bei" und "Prost", die Zungen lockern sich, die Toilettengänge werden mehr, Gruppen bilden sich, Erfahrungen, Meinungen und Komplimente werden ausgetauscht, mein begrenztes akustisches Verständnis reicht in dieser kleinen, eng beieinanderhockenden Gruppe aus, und dann, nach über 3 Stunden, lässt ein Angestellter des Restaurants durchblicken, dass sie dann gerne schliessen würden.
Verabrede mich mit Lukas zum Abendbad, bis um 1 Uhr nachts haben die das offen, geschlechtergetrennt natürlich, ein roter Vorhang und ein grüner Vorhang - sind wir Männer rot oder grün? Weil aber die japanischen Zeichen analog zu den chinesischen sind, nehmen wir den richtigen Eingang, im Dampf des mindestens 40°igen Wasser sind dann auch andere männliche Gestalten erkennbar. Gründliche Reinigung in Hockposition vor den Duschen - und dann hinein. So wohltuend, so heiss - lange halte ich das nicht aus, krebsrot und sehr entspannt geht's zurück ins Zimmer und bald in's Bett.
    - 1.) Die 37ste Generation:
Der Mönch Esai kehrte nach seinen Zen-Studien 1195 nach Japan zurück, im Gepäck Teesamen. Er baute in Japan den ersten Zen-Temel (=Shofuku) in der Präfektur Fukuoka - und pflanzte dort auch seine Teesamen. Also wäre Fukuoka der Anfang des japanischen Tees.
Ein (geistiger) Schüler Esei's, Shuzui, kehrte mit noch besseren Teesamen von China im Jahr 1423 nach Japan zurück, baute den Reigan Tempel und pflanzte dort die mitgebrachten Teesamen. Und eben, die Linie geht geradlinig bis heute. Wir waren im Tempel und haben dort den Nachfahren kennengelernt, immer noch Teebauer - und eng befreundet mit dem Abt des Reigan Tempels. Solchen Leuten, mit solchen Wurzeln, gegenüberzusitzen und deren Bodenständigkeit zu spüren, deren Selbstverständlichkeit im Sein und Tun - von solch einer Bodenhaftung kann ich Vogel nicht mal träumen...                                                                                    

                                                                                                                                                                                                                                               

 

2 Berner + Yamaguchi-sanGruppenbild mit Esei    mahlende Mühlen immerzu drehend

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