Länggass-Tee | Familie Lange AG - Reisebericht: Darjeeling 18.-22. Mai 2018 - www.laenggasstee.ch
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Reisebericht: Darjeeling 18.-22. Mai 2018

Freitag, 18. Mai 2018 // Endlich, nach einer längeren Reise, bin ich in Darjeeling angekommen. Die Kleinstadt liegt auf 2000 Metern am Himalaya im Norden des indischen Bundesstaates Westbengalen, im Zipfel zwischen Nepal und Bhutan, fast an der Grenze zu Sikkim. Am Abend zuvor war ich von Hongkong nach Delhi geflogen, der Flug hatte über drei Stunden Verspätung und so war ich erst nach ein Uhr nachts im Hotel. Aufgefallen ist mir die hohe Militärpräsenz an den Flughäfen inklusive Strassensperren. Vor dem Hotel wurde in die Motorhaube des Autos geschaut, wohl um nach Autobomben zu schauen? Am Vormittag bin ich nach Bagdogra geflogen, um dort ein Taxi nach Darjeeling zu nehmen. Kurz nach Bagdogra sind wir durch ein Kasernen-Dorf der indischen Armee gefahren, dann, auf dem Weg nach Darjeeling durch Teeplantagen im Flachland (knapp 200 Meter über Meer), die zum Gebiet Dooars gehören. Ziemlich abrupt geht die Landschaft dann von Flachland in stark ansteigendes Gelände über, wo dann auch schon die ersten Darjeeling-Teegärten liegen, die sich von hier bis an die Grenze zu Sikkim erstrecken. Die Strasse windet sich steil nach oben, bis nach Kurseong, dann schlängelt sie sich den steilen Hängen entlang über Ghum auf über 2200 Metern Höhe nach Darjeeling. Die Strasse ist sehr schmal, es hatte sehr viel Verkehr und Stau, dasselbe in den engen Gassen von Darjeeling – und das während meines ganzen Aufenthaltes hier, wird wohl immer so sein.

Mr. Pal (hinten) und der für die Teeproduktion Verantwortliche in SingtomSamstag, 19. Mai 2018 // Unser Freund in Lieferant Mahesh Sharma, der aus Assam stammt und seit Jahrzenten in der Schweiz lebt, hat diverse Teegärtenbesuche für mich organisiert. Ich solle jeweils ein Taxi nehmen von meinem Hotel in Darjeeling zu den Teefabriken, die rund um Darjeeling liegen, zum Teil mehrere Stunden Autofahrt auf engen Strassen oder schlechten Feld/Wald-Wegen entfernt. Als erster Besuch war der Tea Estate Singtom vorgesehen. Am Vortag hatte ich mit der zuständigen Person Mr. Pal Kontakt aufgenommen und ein Taxi organisiert. Mit dem Fahrer habe ich gleich abgemacht, dass er mich auch die nächsten Tage herumfahren wird, gegen Bezahlung natürlich. In der Teefabrik, die alle Blätter der Teegärten Singtom und Steinthal verarbeitet, haben wir als erstes eine grosse Teedegustation gemacht, was sonst. Hier natürlich in der indisch-europäischen Art, also ein Aufguss mit den normalen Degusets und mit Spucknapf (Teehändler degustieren Tee, nicht trinken...). Es waren verschiedene Invoices der letzten First Flushes aus den Gärten Singtom und Steinthal, alle von letzter Woche. Später haben wir eine Tour durch den Tea Estate Singtom (bzw. Teilen davon) gemacht. Sehr viele zurückgestutzte Teebüsche, nicht allzu dicht gepflanzt, immer wieder mit grossen Bäumen dazwischen zum Schutz vor der Sonne und mit viel Unkraut, Farnen und Moosen; das Ganze an sehr steilen Hängen. Zurück in der Teefabrik haben wir uns diese angeschaut. Im oberen Stock ist der „Withering Floor“, hier liegen die frischen Blätter zum Welken aus, die dann am nächsten Morgen um 4 Uhr gerollt werden, um danach zu oxidieren (beziehungsweise ohne Oxidationszeit für First Flush, die nur die 15-20 Minuten während des Rollens anfangen zu oxidieren). Nach dem Trocknen kommen die Blätter in die Sortierungsmaschinen, um die Tees nach Blattgraden zu sortieren. Die Rollmaschinen (sie sind viel grösser als diejenigen in China) stehen jetzt, kurz nach Mittag still, ebenso die Trocknungsmaschinen. Aber die Sortierungsmaschinen laufen, inklusive Lärm. Nach einem späten Mittagessen im zum Tea Estate gehörenden Resort bin ich schlussendlich nach Darjeeling zurückgefahren (worden).

Ein Deguset im indisch-europäischen Stil wird aufgegossenDas Deguset mit First Flush aus den Gärten Singtom und SteinthalPflückerinnen bringen frische Blätter in die TeefabrikDer Withering FloorWelkende BlätterDie RollmaschinenHier werden die gerollten Blätter zum Oxidieren ausgelegtDie Trocknungsöfen, mit Kohle beheiztDie zweistöckige RollmaschinerieBlick in den Tea Estate SingtomEine ziemlich hohe BiodiversitätZiemlich alte Teebüsche von China-Teepflanzen

Sonntag, 20. Mai 2018 // Für diesen Tag war der Besuch im Tea Estate Teesta Valley vorgesehen. Dieser liegt in der Nähe von Kalimpong und ist von Darjeeling aus in ca. zwei Stunden zu erreichen, der Weg von der Haupstrasse nach Teesta Valley führt über schlechte Wald- und Feldwege durch die Teegärten Tukdah, Rangli Rangliot, Namring und Gielle. Hier wurde ich vom für die Teefabrik Teesta Valley verantwortlichen Manager Mr. Rajpoot empfangen. Er ist seit einem Jahr hier, vorher war er über 8 Jahre im Tea Estate Phuguri. Er ist sehr experimentierfreudig und versucht etwas andere Tees zu machen, so diese Woche drei Invoices als Oolong. Obwohl in Darjeeling oder überhaupt in Indien eine andere Vorstellung herrscht als in China. Während dort die Blätter geschüttelt werden, damit TEILE der Blattstruktur zerstört werden und so TEILE der Blätter - vor allem die Ränder – oxidieren und das Blattgut nach dem Oxidieren befeuert wird, werden hier die Blätter gerollt, oxidiert und danach getrocknet. Also strenggenommen sind es eben keine Oolong, sondern Schwarztees – der Verarbeitungsunterschied zu den Darjeeling-Schwarztees besteht nur in Nuancen (Pflückgut, Welkzeit, Art bzw. Druck beim Rollen, Oxidationszeit), aber eigentlich ist es derselbe Prozess. Neben den drei „Oolong“ haben wir zwei der ersten Second flush degustiert, der erste der Saison ist noch nicht ganz ausgewogen, etwas dünn, das zweite Muster hat schon richtige Muscatelnoten. Wir haben über die Verarbeitungen diskutiert, ich habe die chinesische Art erklärt und Tipps zum Weiterexperimentieren gegeben, und dann behelfsmässig mit einem Deguset einen der Oolong im chinesischen Gongfucha zubereitet – das kannten sie nicht und waren ganz begeistert, was da alles für Geschmacksnoten aus ihrem Tee herauszuholen sind. Nach einem kurzen Gang durch die Teepflanzen war der Besuch auch schon zu Ende, und ich bin (ohne Mittagessen) nach Darjeeling zurückgefahren.

Drei Darjeeling Oolong aus Teesta ValleyBlick in den Tea Estate Teesta ValleyTeebusch mit frischen Blättern, var. sinensis aus Teesamen

Mr. Gajmer bereitet ein Deguset vorMontag, 21. Mai 2018 // Die Dinge beginnen sich zu wiederholen, deshalb zum heutigen Tag nur kurz: erneut eine knapp zweistündige Autofahrt, erneut eine Teedegustation – diesmal der erste First Flush dieses Jahres DJ1, einige Zwischensaison-Tees der letzten Tage zwischen First und Second Flush und ein Moonlight, eine Art Weisstee (der analog zu den Oolong vom Vortag ebenfalls gleich wie die Schwarztees verarbeitet wird, der Unterschied besteht in Nuancen und in der kleinen Menge) - dann ein indisches Mittagessen im zur Firma gehörenden Bungalow, dann der Besuch im Tea Estate. Dieses Mal war ich im Tea Estate Castleton unterhalb von Kurseong, einer der besten Teegärten in Darjeeling, berühmt für seine Second Flush mit Muscatel-Noten. Laut dem verantwortlichen Manager Mr. Gajmer kommt dieser Geschmack aus den Teepflanzen selber, aber nur zu bestimmten Zeiten in bestimmten Gebieten, hängt also vom Terroir ab.
Vielleicht an dieser Stelle zu den Teepflanzenvarietäten in Darjeeling: alle Gärten pflanzen verschiedene Varietäten an, der grösste Teil sind jedoch die alten, aus Teesamen gezogenen Pflanzen, die ursprünglich aus China stammen und nicht weitergezüchtet wurden, sozusagen die lokalen Sorten. Sie werden China-Busch, China-Tee oder var. sinensis genannt. Dazu kommen diverse China-Hybriden und Assam-Hybriden, also Kreuzungen aus var. sinensis und var. assamica mit Dominanz zur einen oder anderen Seite. In neuerer Zeit werden auch die sogenannten Clonals angebaut, neue Züchtungen, die mehr Tips und fruchtig-blumige Noten haben, aber weniger Geschmack. Also schön und Duft, wenig Charakter - dasselbe wie in China mit den neueren Varietäten…Die Tees werden jeweils separat gepflückt und verarbeitet, weil die unterschiedlichen Varietäten aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzungen der Inhaltsstoffe, des verschiedenen Feuchtigkeitsgehalts etc. anders reagieren.

Deguset mit Tees aus CastletonHier ein Teebusch der var. assamicaFrische Blätter eines Assam-HybridenBlick in den Tea Estate CastletonTeepflückerin bei der ArbeitFrisch gepflückte Teeblätter eines China-Busches

Dienstag, 22. Mai 2018 // Mein letzter Tag in Darjeeling, der letzte Besuch führte mich in den Tea Estate Badamtam an der Grenze zu Sikkim. Badamtam gehört der selben Firma wie Castleton, weitere Gärten in Darjeeling gehören auch dazu. In Badamtam sind fast die Hälfte der Teepflanzen Assam-Pflanzen oder Assamica-Hybriden, ein Viertel Chinabüsche und ein gutes Viertel Clonals. Die Assam-Pflanzen ergeben dunklere, weniger fruchtige, aber gehaltvollere Tees. In Badamtam wurde ich vom Manager Mr. Sen empfangen, der schon seit fast 20 Jahren in diesem Estate arbeitet. Vorher war er in der Ebene, in Dooars. Wir haben einige Tees der letzten Woche degustiert, einige aus Clonals und einer aus assamica, die letzten der First Flush. In ca. 10 Tagen wird die Ernte der Second Flush beginnen. In der Teefabrik dasselbe Bild wie anderswo, hier aber zusätzlich mit japanischen Maschinen für Grüntee, Sencha aus Darjeeling? Später sind wir plaudernd auf der Veranda des Bungalows gesessen und haben bei einem Bier auf das Mittagessen gewartet, das wir zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter eingenommen haben. Zum Schluss sind wir noch kurz durch die Teegärten gefahren und haben uns die verschiedenen Teebusch-Sorten angeschaut.

Degustation in BadamtamDie aus einem verarbeiteten Tee sortierten Blattgrade - in der Mitte ein anderer Tee aus ClonalsFrische Blätter der Clonal-BüscheBlick auf Assam-Teebüsche im Estate BadamtamFrische Blätter eines Assam-BuschesDie in Reihen angelegten Clonal-Büsche

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