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Reisebericht: Chaozhou-Wuyishan und Tongmuguan, 08.-09. Mai 2015

Am 08. Mai war Ruhe- und Reisetag. Den Morgen verbrachte ich mit Büroarbeiten wie Blog schreiben, Emails beantworten etc. Ich habe mir nochmal die Liste der Keemun-Schwarztees angeschaut und doch beschlossen, einige zu kaufen und also bereits diesen Sommer das Sortiment an Qimen etwas zu ändern.
Nach dem Mittagessen sind wir per Taxi zum Bahnhof Chaoshan gefahren, der zwischen den Städten Chaozhou und Shantou liegt, von dort per Hochgeschwindigkeitszug nach Xiamen. Liping und Sanmao sind von dort nach Wuyishan geflogen, ich wollte aber mit dem Nachtzug reisen. Bis zur Abfahrt um halb 8 Uhr bin ich in Xiamen herumspaziert und habe zu Abend gegessen. Am nächsten Morgen, 09. Mai kurz nach 8 Uhr bin ich in Wuyishan angekommen und ins Hotel gefahren. Nach einer kurzen Dusche habe ich mich wieder mit Liping und Sanmao getroffen.

Verschiedene Jin Jun MeiWir haben ein Taxi organisiert und sind nach Tongmuguan hinauf gefahren, dort wo der Zheng Shan Xiao Zhong herkommt – der bei uns als Tarry Lapsang Souchong bekannte geräucherte Schwarztee. Günstige (Export-)Sorten werden natürlich längst in anderen Provinzen produziert, aus Tongmuguan kommen nur gute und Top-Qualitäten. Wir wollten Liang Jun De besuchen, der 2005 den Jin Jun Mei erfunden hat – ein Top-Schwarztee nur aus Knospen. Bei Länggasstee haben wir von ihm die beiden Rauchtees Zheng Shan Xiao Zhong und Lao Cong Xiao Zhong sowie einer seiner Jin Jun Mei Version 2005 – der einzige wirklich echte originale! Mittlerweile werden im ganzen Tal originale Jin Jun Mei und andere nicht-geräucherte Schwarztees produziert; in ganz China werden Schwarztees in dieser Art produziert und nicht selten als original verkauft, wobei sie leider die lokalen traditionellen Schwarztees verdrängen.

Während unserer Ankunft war gerade eine Degustation von 4 verschiedenen Partien Jin Jun Mei im Gange, daran haben wir natürlich teilgenommen. Danach haben wir im Haus zusammen mit den Angestellten und den anderen Besucher mittaggegessen.

Teedegustation in Tongmuguan

Jin Jun Mei aus verschiedenen Ladungen des TrocknensJin Jun Mei, aufgegossenes Blatt und AufgussBüchsen mit Chi Gan (Tong Jun Mei), Yin Jun Mei und Jin Jun Mei

Landschaft mit Teegärten und Bambuswäldern im Tal von TongmuguanEs ging weiter mit Tee trinken, plaudern, Fragen zur Produktion und zu den Tees stellen etc. Die Produktion ist noch in vollem Gange, die Tees aus dem Haus Junde werden sorgfältig und langsam, in traditioneller Manier, verarbeitet; sie müssen und sollen nicht schon Ende April auf dem Markt sein. Dementsprechend beschäftigt sind alle, dazwischen muss auch geschlafen werden, da die Teeproduktion zum Teil auch nachts stattfinden. Wir wurden abwechselnd von Liang Jun De, seinem Sohn und seinem Enkel betreut.

Da wie gesagt die frischen Tees noch nicht da sind – wir sind eher zu einem Höflichkeitsbesuch gekommen – und wir die frischen Tees im Herbst kaufen würden, sind wir noch mal die Teegärten anschauen gegangen. Die lokale Teepflanze heisst hier Qi Zhong, und sie wird hier halbwild angebaut. Verstreut auf einer Bergwiese mit vielen Steinen und Moosen stehen die Büsche einzeln da, viele Pflanzenarten und Insekten sowie Spinnen sind vorhanden – eine sehr schöne Biodiversität. Auch sind die Teegärten relativ klein; höher oben im Tal sind noch weitere. Neben der lokalen Sorte werden neuerdings auch Oolong-Pflanzen aus Wuyishan angebaut, so zum Beispiel Shui Xian, Rou Gui und Huang Guan Yin. Diese werden entweder als Schwarztee oder als Wuyi Rock Tea verarbeitet (die dann allerdings nicht original sind!)

Teegärten in Tongmuguan:

Die Teepflanzenvarietät Qi ZhongTeepflückerInnen am WerkTeepflanzen der Varietät Shuixian, gut als einzelner Busch erkennbarTeebüsche inmitten von Felsen, Gräsern und MoosenDie Teebüsche der Varietät Qi Zhong im halbwilden TeegartenLiang Jun De, der Erfinder des Jin Jun Mei

Bevor wir wieder nach Wuyishan zurückgefahren sind, konnten wir nochmal die Produktion von traditionellem Rauchtee, Zheng Shan Xiao Zhong, begutachten: Im obersten Stock wird das frische Blatt über der Räucherkammer gewelkt. Das heisst, bereits hier kann das Blattgut mit Rauch in Kontakt kommen - allerdings kommt nur sehr wenig Rauch durch, wohl aber Wärme. Interessant ist, dass das Welken hier im Dunklen geschieht. Je nach Feuchtigkeitsgehalt wird 4 bis 12 Stunden gewelkt. Nachher kommt das Blattgut in die Rollmaschinen, wo das Blattgut gerollt und geknetet wird - die Zellsäfte und Wasser werden ausgequetscht, das Blattgut beginnt zu oxidieren. Es wird noch feucht in Körben aufgeschichtet und zugedeckt und ebenfalls in Abhängigkeit der Blattfeuchtigkeit 4 bis 12 Stunden zum Oxidieren stehen gelassen - natürlich wird es zwischendurch umgeschichtet, weil sonst Sauerstoff fehlt und die Hitzeentwicklung zu gross ist. Zum Trocknen wird das oxidierte Blattgut in der Räucherkammer im ersten Stock ausgelegt. Hier ist es wie im Raum zum Welken ein Stockwerk weiter oben stockfinster, aber der Raum wird vom Rauch durchzogen. Dieser entsteht in einem Feuer im Parterre bzw. Keller.

Die Verarbeitung von Zheng Shan Xiao Zhong:

Das Feuer im untersten StockwerkIm obersten Stock wird der Tee gewelkt - in der warmen 'Abluft' der RäucherkammerNahaufnahme des welkenden BlattgutesNach dem Welken wird das Blattgut gerollt……wodurch es oxidieren kann, hier aufgeschichtet und bedeckt in KörbenNahaufnahme des oxidierenden BlattgutesZum Trocknen kommt das oxidierte Blattgut in die RäucherkammerDas zu räuchernde BlattgutPflückgut: oben Jin Jun Mei, dann Yin Jun Mei, Chi Gan und zuunterst Zheng Shan Xiao Zhong

Der Besuch in Tongmuguan ist übrigens nicht ganz unproblematisch, denn Ausländer dürfen hier eigentlich nicht hinein, es ist offiziell ein Naturschutzgebiet; aber es war hier, wo die Engländer damals anfangs des 19. Jahrhunderts die Schwarzteeverarbeitung gestohlen hatten...

(Ich war bereits 2012, als ich Liping und Sanmao zufällig bei einem Produzenten in Wuyishan kennengelernt hatte, mit ihnen nach Tongmuguan gefahren und hatte sogar hier übernachtet. Jemand hatte mich verpfiffen, der darauf aufgetauchte Polizist wollte meinen Pass sehen – und hatte es dann gut sein lassen, ohne den Pass anzusehen (denn dann hätte er ja etwas tun müssen). Allerdings wäre die Fahrt hinab schwierig geworden. Ich war dann mit dem öffentlichen Bus hinuntergefahren und hatte mich mit einer Kapuze bedeckt schlafend gestellt, und durch war ich. Das Auto der anderen, das logischerweise später fuhr, war dann am Ausgang angehalten und durchsucht worden – aber der Ausländer war schon weg.)

Nun, diesmal war ich schon auf der Hinfahrt unter der Kapuze versteckt und habe mich kaum auf der Strasse gezeigt (und immer Kapuze auf!). Und siehe da, alles problemlos.

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