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Reisebericht: Chaozhou und Shiguping, 06.-07. Mai 2015

Am 06. Mai sind wir erneut zum Phoenix-Professor gegangen. Die ganze von uns ausgesuchte Ware (nicht nur für Länggasstee) musste abgepackt, sortiert und verpackt werden; wer kauft wie viel, wohin wird was geschickt etc., muss alles gut notiert werden. Dies ist sehr zeitaufwendig, jedoch relativ langweilig und nicht weiter von Interesse hier. Nachdem wir die Liste mit den von uns gewünschten Tee dem Abpack- bzw. Lagerchef abgegeben haben, sind wir noch mal ans degustieren gegangen: Es sind Muster von Keemun-Schwarztee eingetroffen, frische Qi Men Xiang Luo und Qi Men Mao Feng, alle in sehr guter Qualität und relativ teuer. Ich werde vorerst nur für Qi Men Superior frischen Tee kaufen, von den anderen aber Muster mitnehmen und in Bern in Ruhe mit den bisherigen Tees vergleichen und dann eventuell nächstes Jahr das Keemun-Sortiment komplettieren bzw. ändern. Später haben wir noch einige Muster degustiert, die ich von einem meiner Lieferanten habe schicken lassen. Wir alle haben nie genügend Zeit, um alle Produzenten und Kontakte zu besuchen, weshalb wir uns oft Muster nachschicken lassen.

Zwischendurch haben wir auch immer wieder die eine oder andere Spezialität des Professors zu trinken gekriegt, so zum Beispiel einen 30jährigen Schwarztee aus Hunan, einen Wuyi Rock Tea aus den 80er Jahren sowie einen fermentierten Pu Er in Klümpchenform, also Shu Cha Cha Tou, aus den 70er Jahren; und zwar produziert in Shantou, die Nachbarstadt von Chaozhou, beide Provinz Guangdong. Denn in den 70er und 80er Jahren, als in Hongkong der fermentierte Pu Er „erfunden“ wurde, hat man nicht nur in Yunnan, sondern auch in Guangdong Pu Er Shu Cha produziert!

Eine weitere Spezialität haben wir bereits ein paar Mal getrunken in den letzten Tagen: Ein Shui Xian Hei Cha! Also ein postfermentierter Tee. Produziert aus Blattgut von Shuixian-Teepflanzen aus Fenghuang, in Anhua postfermentiert und zu Säulen von Bai Liang Cha und Shi Liang Cha gepresst. Anhua in der Provinz Hunan ist einer der klassischen Heicha-Produktionsorte, bekannt sind Qian Liang Cha und Fu Zhuan Cha.

Am Nachmittag konnten wir die ersten Pakete bereits zur Post bringen, die glücklicherweise hier im Teemarkt eine Filiale hat. Aber die zuständige Beamtin ist eher von der langsamen und mühsamen Sorte, weshalb es länger gedauert hat...Am nächsten Morgen, dem 07. Mai ist es gleich weitergegangen mit abpacken und Pakete zur Post bringen. Bis zum Mittag haben wir alles erledigen können. Wir haben Abschied genommen vom Teeprofessor und haben uns auf den Weg nach Shiguping gemacht.

Teegärten in Shiguping:

Aussicht auf die hügelige Landschaft zwischen Chaozhou und ShigupingEin schönes durcheinander von Teebäumen und anderen GewächsenTerrassierte Teegärten mit relativ alten TeebäumenAlter Shuixian-Teebaum der Untervarietät Bai Ye, von oben fotografiertÄltere Shuixian-Teebäume der Untervarietät Huang Zhi XiangTeebüsche der Varietät Shiguping Wulong, die NICHT zu den Shuixian-Teepflanzen gehört



300-400jähriger Shuixian-Teebaum der Untervarietät Huang Zhi Xiang in ShigupingShiguping ist neben Fenghuang bzw. dem Berg Wudong ein weiteres Anbaugebiet von Feng Huang Dan Cong, etwas weniger berühmt und etwas tiefer gelegen. Die Tees sind natürlich durch das andere Terroir etwas anders. Liping hat letztes Jahr von einem Teebauern Maocha gekauft und einen Teil von diesem selber, einen Teil vom Phoenix-Professor rösten lassen. Der Unterschied war gewaltig...Nun wollten wir die Teegärten besuchen und Muster von verschiedenen Maocha mitnehmen. Die Tees würden dann über die nächsten zwei Jahre vom Professor geröstet werden und dann nach Europa verschickt werden. Die Teegärten in Shiguping sind in ziemlich gutem Zustand, sehr viele alte Teebäume, von anderem Gewächs umgeben. Die Gärten von unserem Teebauern werden kaum behandelt, höchstens alle paar Jahre mit Bio-Dünger. Die alten Blätter sind denn auch ziemlich zerfressen, die Stämme der Teebäume Moosbewachsen. Allerdings haben wir gesehen, wie andere Gärten hier jetzt nach der Erntesaison gespritzt werden...


Angebaut werden hier ebenfalls grösstenteils Untervarietäten der Shuixian-Teepflanze, so Bai Ye, Huang Zhi Xiang, Ba Xian und Jiang Mu Xiang. Doch es gibt hier noch eine Spezialität, eine alte lokale Sorte namens Shiguping Wulong, die nicht zur Shuixian-Familie gehört. Sie ist dann auch viel kleinwüchsiger und hat als Tee einen ganz anderen Geschmack als die Feng Huang Dan Cong, dazu kann Tee aus dieser Pflanze nicht so stark oxidiert geröstet werden, weshalb er viel grüner, heller ist.

Nach der Rückfahrt nach Chaozhou haben wir im Teeladen dieses Teebauern noch einige Tees degustiert und haben uns dann verabschiedet. Morgen am Nachmittag werden wir von hier abreisen, es geht über Xiamen nach Wuyishan; wir werden übermorgen früh dort ankommen.

Wir degustieren frischen Maocha von Shiguping Wulong:

Das trockene Blatt des Maocha; noch ungeröstet und daher grünDer Tee wird aufgegossen in der klassischen Variante des Chaozhou-GongfuchaDas aufgegossene Blatt

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